Kleine Flucht per Ski… und nach Olympia!

Drei Skifahrer, drei Autoren und jede Menge Skipisten. Genau 111 Strecken in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien, die man unbedingt gefahren sein muss, wählten Stefan Herbke, Thomas Biersack und Christoph Schrahe zusammen für eine Buchproduktion des Emons Verlag aus. Von der Schweizer „Schilthorn“ in Mürren, die schon James Bond mit seinen Brettln beackert und beschossen hat („Im Geheimdienst ihrer Majestät“), bis zur Gletscherpiste „St. Anna“ (nächstes Foto unten)  hoch über Andermatt und zum „Dammkar“ im Karwendelgebirge bei Mittenwald. Vom „Langen Zug“ bei Lech bis zur „Kögele-Abfahrt“, die nur 19 km entfernt von Innsbruck beginnt und von der Axamer Lizum auf Tiroler Kennerwegen bis fast hinab ins Inntal führt. Ihre Geschichten füllen die Neuauflage des vor 5 Jahren schon einmal veröffentlichen, jetzt komplett überarbeiteten Buches. Rund 20 neu dazu gewählte Pisten sind mit dabei.
Welche Alpenhänge soll man da nur herausziehen? Weil gerade die Winterolympiade in Mailand und Cortina beginnt, haben wir uns entschlossen, aus Aktualitätsgründen die Auswahl für Norditalien genauer unter die Lupe zu nehmen. 14 Abfahrten zwischen Südtirol und Trentino, werden im neuen Buch vorgestellt. Nicht wenige Sportbegeisterte werden dort ja in den nächsten zwei Wochen unterwegs sein. Erste Überraschung: Von den konkreten olympischen Strecken wie der berühmten „Stelvio“ in Bormio (Abfahrtslauf der Männer) oder den legendären Pisten der „Tofane“ in Cortina d´Ampezzo (alle alpinen Damendisziplinen) ist keine dabei. Stattdessen schicken uns die Spezialisten lieber auf die „Schmugglerabfahrt“, die an der österreichischen Grenze im Ötztal beginnt, und zur „Rosim“ – sie gehört zum höchstgelegenenen italienischen Skigebiet in Sulden. An dieser Stelle gibt es nämlich, schwärmen sie, einen Cinemascope-Blick auf den Fast-Viertausender Ortler und seine Bergkollegen. Ebenfalls dabei: Die „Holzriese“-Piste an den Drei Zinnen, eine der steilsten Skipisten Italiens, die mit bis zu 72 Prozent Gefälle gleichermaßen Skifahrertraum und Mutprobe darstellt. Zum Glück gibt´s auch eine Umfahrung.

Man erfährt in diesem Buch übrigens nicht nur die rosaroten Nachrichten. Sondern zum Beispiel auch dass für die „Geister“-Abfahrt am Stilfserjoch, das 1932 eines der ersten alpinen Sommerskigebiete überhaupt war, die Besucherzahlen in den letzten 25 Jahren förmlich eingebrochen sind, wegen der Gletscherschmelze natürlich. Das Skivergnügen zwischen Mai und November wird es dort also nicht mehr ewig geben. Viel positiver ist da doch der Anblick der Spalier stehenden Dolomiten entlang der sonnigen „Trametsch“. Auf ihr lässt sich vom Plose-Gipfel über stolze 7,8 Kilometer bis fast in die Altstadt von Brixen abfahren. Die Skigäste halten auf das Panorama mit dem Häusermeer unten im Tal (560 m) zu, wobei sie nur bis nach St. Andrä auf 960 m hinabwedeln oder -carven können. Auch andere Klassiker aus Südtirol oder Trentino fehlen nicht – von der „Laurin 2“ in Carezza bei Bozen unterm Rosengarten über die „Seceda“ mit Blick auf Langkofel, Plattkofel, Seiser Alm zur „Sellaronda“, die vier Täler verbindet, bis zur Pustertaler Paradepiste „Ried“ mit 7,4 Kilometern ohne Ziehwege und Querpassagen. Von der 9 km langen Piste „Lagazuoi – Armentarola“ (nächstes Foto) , einem Aushängeschild von Dolomiti Superski, das mehr oder weniger die Gebiete von Cortina, Alta Badia und Cinque Torri aneinanderknüpft, sieht man die olympischen Gefilde immerhin ein bisschen: Die verschiedenen Tofana-Gipfel sind hier gleich vis à vis.

Die drei weitgereisten und äußerst hangerprobten Autoren sammeln genau genommen nicht ausschließlich Pisten, sondern auch Skirouten und Tourenabfahrten. Es ist ein großes Vergnügen, von ihren sportlichen Skiabenteuern und den landschaftlichen Highlights in den zentralen Alpen zu lesen. Einige davon werden wir in den nächsten 14 Tagen vom Fernsehsessel aus genießen können.

Text:   Alexander Hosch

Christoph Schrahe, Stefan Herbke, Thomas Biersack: 111 Skipisten in Deutschland, der Schweiz, Österreich & Südtirol, die man gefahren sein muss, Broschur, Emons Verlag, 240 Seiten, ISBN 978-3-7408-2633-8,
18,95 €, www.emons-verlag.de

 

 

 

„Olympia 2026 Milano Cortina“ dauert von 6. bis 22. Februar 2026. Die Spezialdisziplinen finden an zahlreichen verschiedenen norditalienischen Orten wie Bormio, Antholz, Cortina d’Ampezzo und Livigno statt.