300 Tage Sonne

Es war ja so was von angesagt: Bikini-Skifahren… Und einer von mehreren verrückten Gründen, warum die Skistation Isola 2000 vor knapp fünfzig Jahren Kult wurde. Die Stars flogen vor allem aus Swinging London ein. Dann versüßten sie sich ihre Osterferien am Mittelmeer mit einem Skiwochenende in den Südalpen. Wo? Nur eine Stunde weg von Nizza, am Rand des Mercantour-Nationalparks an der Grenze zu Italien. Zu Beginn kamen Roger Moore und Beatles-Drummer Ringo Starr. In den Eighties waren Regisseur Luc Besson und Rocker Bono Vox von U 2 die besten Isola-Promis. Oder Autorennfahrer wie Alain Prost und Gilles Villeneuve, die auf der Eispiste um die Wette fuhren.

Lohnt der Trip heute noch? Und wie. Prinzessin Stéphanie von Monaco verbringt hier angeblich immer noch jedes Jahr schöne Tage im Schnee. Doch vor allem ist das schneesichere, 2000 Meter hoch gelegene Winterziel inzwischen für jedermann leicht erreichbar. Fahrtdauer mit dem Linienbus von Nizza oder Nizza-Flughafen: 60 Minuten (Preis: ein Euro).

Von ganz oben kann man dann sogar an ein, zwei Stellen mit dem Skistock aufs Meer hinunterdeuten. Hotels, Clubs, Bars, Pools im Freien – all das gibt es in Isola 2000. Englische Investoren eröffneten das neue Wintertraumziel an Weihnachten 1971. Die Besitzer wechselten oft, aber die Höhepunkte sind – wichtig für die Gäste – alle noch da: Vor allem Sonne und Schnee, die zwei wichtigsten Accessoires von Isola 2000, treten verlässlich von November bis Ende April als Duett auf. Und das Panorama an der Bergstation des Sistron-Lifts, von wo aus man das Meer sieht, ist praktisch unzerstörbar.

Dass tatsächlich einst viele in Badesachen durch den Schnee brausten, passte zum Stil der Zeit. Bis in die Französischschulbücher schafften es in den Siebzigerjahren die glamourösen Ski-Models ohne Overall – und die Männer mit Badeshorts und gebräunten Sixpacks. Es war eine andere Skigalaxie. Nackte Haxen in Skischuhen gab es zwar auch im Engadin und in Lech. „Aber nirgends war es so sonnig wie bei uns“, sagt der frühere Skirennläufer Eric Morisset, dessen Familie in Isola den Skiverleih führt. In Lucs Laden hängen zum Glück die verführerischen Fotos von anno dazumal noch als Plakatwand, so dass wir auch heute über Autorennen auf der Eispiste und Skilehrer in Orange staunen können.

Heute zahlt der Gast in Isola 2000 für das Sonnenskitagesticket maximal 35 Euro. Auf 120 Pistenkilometern verkehren bis 19. April 35 Skilifte. Es gibt drei schwarze, elf rote, 21 blaue und sieben grüne Pisten zwischen 1800 und 2650 Metern (plus Snowpark). Pausenspaß bei Rotwein, Pizza oder Entrecôte lockt im angesagten Cow-Club, wo schon im Dezember elegante Tagesgäste von der Riviera pausieren. Zu manchen Restaurants kann man nachts im Motorschlitten-Taxi brausen. Zimmer und Appartements sind in Isola 2000 eher günstig. Zugegeben: Man muss ein bisschen verrückt sein… Ist das aber der Fall, dann spricht an Ostern wirklich gar nichts dagegen, auf zwei Strandtage noch zwei Pistentage zu setzen.

Text: Alexander Hosch

Sportgastein

 

Immer wenn das Frühjahr kommt,  lockt mich Sportgastein. Dann ist es warm, die Sonne scheint, der Schnee passt da oben, auf fast 3000 m, auch. Auf dem Kreuzkogel gibt es neben dem Blick aufs Tauerngebirge dann noch eine wunderbare Erinnerung an die Zukunft von Gestern: Die Gipfelkugel aus Metall des Salzburger Architekten Gerhard Garstenauer aus dem Jahr 1972. Sie ist eines der letzten  Überbleibsel einer visionären Zeit im Gasteinertal.

Ostern würde ich am liebsten gleich nochmal vorbei schauen!

Text und Fotos: Sabine Berthold

Mehr Infos über die Kugel hier: Alexander Hosch, Winzig Alpin, Innovative Architektur im Mini-Format, 2018, DVA Randomhouse

https://www.randomhouse.de/Buch/Winzig-alpin/Alexander-Hosch/DVA-Bildband/e533604.rhd

 

Die Rosskopfgondeln über der Brennerautobahn

#12      Und schon wieder dran vorbei gefahren! Entlang der Alpen-Magistralen gibt es Sehenswürdigkeiten, die jeder zu kennen glaubt, obwohl kaum einer je dort angehalten hat. Wir nehmen uns die Zeit und besuchen sie.

Objekt  Kabinenseilbahn auf den Rosskopf (Monte Cavallo) / Adresse  Alte Brennerpassstraße 12, I-39049 Sterzing (Vipiteno), Südtirol / Koordinaten  N 46° 54′ 54″, O 11° 22′ 59″ /  Bauzeit  1968-2019 /  Bau-Grund  Wer will schon bis  nach Madonna di Campiglio oder Cortina hinter zum Skifahren? / Aktuelle Nutzung Besuchertransport zur Bergstation, zur längsten Rodelbahn Italiens und ins Skigebiet Monte Cavallo (Tageskarte ca. 37-47 Euro); www.rosskopf.com / Betriebszeiten: Anfang Dezember bis Mitte April; Ende Mai bis Anfang Oktober / Schönster Augenblick  Sobald die Skisaison anfängt und die Gondeln die Autobahn queren, herrscht bei Skifahrern am Steuer sofort Serotonin-Alarm.

Warum man immer dran vorbeifährt:

Auf dem Heimweg vom Mittelmeerurlaub fürchten Autofahrer nichts mehr als den berüchtigten Brenner-Stau. Kaum einer hat dann das Herz oder die Muße, noch eine letzte Pause einzulegen – obwohl die Rosskopf-Gondeln, die hier malerisch die Fahrbahn kreuzen, im Winter wie im Sommer größtes Vergnügen versprechen…

Weshalb man nächstes Mal unbedingt hin muss:

Weil man so schnell dort ist! Die definitive Besonderheit im bequemen Kleinstskigebiet Sterzing ist die Landschaft: Man blickt von den Pisten des Monte Cavallo hinab jederzeit Richtung Dolomiten und übers Südliche Wipptal. Auf der nagelneuen 5-Kilometer-Talabfahrt wedeln die Skigäste unter den Sause-Brummis und Bussen durch – um dann, wenn sie wollen, gleich direkt in der Sterzinger Altstadt zum Shoppen abzuschwingen. Das nächste grandiose Alleinstellungsmerkmal der Sterzinger Rosskopfbahn ist, dass sie wahrscheinlich die einzige Alpengondelbahn darstellt, die im Drei-Meter-Abstand eine Autobahn überquert. Die weltweit tätige Seilbahnfirma Leitner hat sie einst gebaut, ein lokaler hidden champion aus dem 1000 Meter hoch gelegenen Städtchen. Das Sterzinger Unternehmen könnte an dieser Stelle auch gut kostenlos eine immerwährende Liftmaschinen-Markenwerbeschau veranstalten – für die vielen Millionen Europäer, die hier jährlich vorbeifahren. Tut es aber nicht. Stattdessen tauschte die Firma jetzt rechtzeitig zur Skisaison 2018/19 die Liftanlagen für die zweite Sektion in Richtung des 2.176 Meter hohen Monte Cavallo aus. Dort fährt nun eine sogenannte Telemixbahn: Kleine Gondeln sind abwechselnd mit 6er-Sesseln eingehängt; die Eltern und die Kinderskischule haben sich das so gewünscht. Die neue Bahn hat einen umweltfreundlichen DirectDrive-Elektromotor – das half bei der Entscheidung.

Wie man hinkommt:  

Bei der Ausfahrt Sterzing die A 22 verlassen und zum Ortseingang, wo wenige Meter unterhalb der Autobahn an der Alten Brennerstraße die Talstation liegt. Parken, Ski anschnallen, los geht’s.

Text und Fotos:  Alexander Hosch

Grafiken:  entdeckt im 3-Sterne-Hotel Rosskopf, www.hotel-rosskopf.it

Der Halbkugelpalast von Bad Gastein

Selbst die aktuellen Schneemassen können es nicht verbergen: Dieser Halbkugelpalast wartet nur noch auf Dornröschens Erweckungskuss. Unter dem ehemaligen Grand Hotel de l´Europe, das jetzt Ferienwohnungen und einen Gourmetfeiertempel namens Ginger & Gin beherbergt, wölbt sich im hochgelegenen Zentrum von Bad Gastein eine vierteilige Metallruine des 2016 verstorbenen Salzburger Architekten Gerhard Garstenauer über der Kulisse zersprungener Fensterscheiben und eines derangierten Interieurs. Hier könnte einst in der 1970er Jahren der ultimative Krieg der Sterne unter Discokugeln stattgefunden haben – doch irgendwann verlor die silbern-gläserne Lustarchitektur ihre Star Wars gegen den traditionellen Geschmack. Ewig schade drum, sie verkam. Aber was für eine Clublocation, noch immer! Sie könnte neu erstehen. Zur Zigarette draußen vor der Bar hätten die Nacht-Hipsters von heute dann den freisten aller Blicke übers ganze weite Gasteinertal.

Bad Gastein, das Kurbad des letzten österreichischen Kaisers, hat eine harte Zeit hinter sich. Riesige alte Hotelriegel aus der Epoche der vorletzten Jahrhundertwende kämpfen seit Jahrzehnten gegen den Fluch ihrer gigantischen Größe, gegen eine zu geringe Auslastung und gegen ihre angejahrten Spalandschaften. Selbst die paradiesische Steillage des Ortes mit der Felsentherme konnte diesen Schiefstand am Ende kaum noch richten. Doch nun kommen die Gäste wieder, die Umkehr ist geschafft. Junge Bar-Lokale wie „Kraftwerk“und hippe Hotels wie „Haus Hirt“ und „Miramonte“ glänzen mit smarten Konzepten in einer neuen Skiwelt. Denn Skihütten der jüngsten Art wie die „Rossalm“ und die „Weitmoserin“ umgarnen neuerdings auch die biodynamisch gewendete Kundschaft. Und in dem nur 9 km entfernten kleineren Kurort Bad Hofgastein gibt es seit ein paar Wochen einen todschicken Skibusbahnhof mit schrägen Pfeilern sowie eine orange leuchtende neue Gipfelseilbahn zur Schlossalm. Am 20. Januar wird sie offiziell eingeweiht. Die leibhaftigen Fantastischen Vier werden dann im Skischaukelzirkus hiphoppen und die nagelneue Direktroute auf die Hohe Scharte zuwummern: Von da oben lockt ein 12-Kilometer-Pisten-Ritt – die längste Skiabfahrt des Salzburger Landes.

Jetzt fehlt wirklich nur noch die Wiederkunft des Halbkugelpalasts.

Text und Fotos: Alexander Hosch

 

 

 

 

Ski  amadé: Tageskarte 54 €;  gute Kinder- u. Jugendtarife an Wochenenden

 

Saas-Fee

Saas-Fee – das ist der Name einer Legende zwischen Walliser Gletschern und Zauberbergen. Der einmalig romantische Wintersport-Ort lockt hoch über der Vispa-Schlucht seit Jahrzehnten mit spitztürmigen Kirchen, malerischen kleinen Maiensässen im Dorfkern und einem unüberbietbaren Panorama samt 13 Viertausendern als winterweiße Krone.

Seit Kurzem punktet Saas-Fee aber auch mit neuen Schätzen. Der Wohntraum schlechthin ist seit 2014 – ausgerechnet eine Jugendherberge. Mit 50,5 gegen 49,5 Prozent nur denkbar knapp entschied sich die Saaser Bürgergemeinde überhaupt für ein eigenes Youth Hostel oben am Talschluss, vorher gab es keins. Doch dann durften die Planer durchstarten. Sie formten im Auftrag der Gemeinde und der Schweizerischen Stiftung für Sozialtourismus in Zürich, die alle Schweizer Jugendherbergen trägt, einen grauen Holzbau mit vielen superben Details. Durch eine Sondergenehmigung des Kantons durfte er als erste fünfgeschossige Schweizer Wohnarchitektur überhaupt aus Holz entstehen. Die galten bislang als brandgefährlich – und waren deshalb verboten. Durch Vorfertigung der äußeren und inneren Wandelemente konnten die winterbedingt knappen Bauzeiten auf 1800 Meter gehalten werden. Die Architektur stammt vom Büro Steinmann & Schmid, die Tapeten und anderes von den Basler Textildesignern Matrix. Spektakulär ist, wie das alte Hallenbad, ebenfalls von Steinmann & Schmid überarbeitet, zu der beeindruckenden anthrazitfarbenen Spalandschaft Aqua Allalin erweitert wurde. Heißer Stein, Sprüheisdusche, Gletscherbalkon. Zwei verglaste Saunen mit Panoramafenstern zu den Steinböcken am Felskliff gegenüber. So bekam Saas Fee die einzige Spa-Jugendherberge der Welt, das grandiose wellnessHostel 4000, das auch noch besonders nachhaltig ist (mit Kollektoren aufgeheiztes Wasser, Erdregister in einem Felsspeicher). Auf den Übernachtungspreis werden einfach ein paar Franken draufgeschlagen, dann dürfen die Hostelgäste so oft sie wollen ins Spa-Paradies. Natürlich nützen angesichts der aktuellen Schneemassen vor allem viele Skifahrer das smarte Angebot.

Die zweite schlaue Geste an den Zeitgeschmack ist, dass da oben kein einziges Auto mehr mit Verbrennungsmotor fährt. Ausschließlich e-Mobile steuern als Hotelshuttles, Taxis, Lieferwagen oder Paketdienst die Hotels und Chalets des berühmten Gletscherdorfes an. E-Busse bringen die Skitouristen zu den verschiedenen Startpunkten für das Pistenvergnügen in Saas-Balen, Saas-Grund, Saas-Almagell und Saas-Fee (es geht bis auf 3.600 Meter).                                           Text: Alexander Hosch

Anreise nach Saas-Fee   Zug über Zürich bis Visp (Swiss Travel Pass, ab 205 € für 3 Tage), weiter mit dem Postbus (umsonst mit STP oder Saaser Bürgerpass). Skipass 1 Tag p. P. Erwachsene 73 CHF,  Kinder bis 15 Jahre: 35 CHF, Jugendliche von 16-19: 61 CHF. Nacht im wellnessHostel 4000: Doppelzimmer ohne/mit Wellness – 123/149 CHF; Bett im 6er-Zimmer 41/54 CHF; www.saas-fee.ch/de/hotel/wellnesshostel4000/ oder https://www.youthhostel.ch/de/hos tels/wellnesshostel4000/

Einen aktuellen Beitrag über das WellnessHostel 4000 in Saas-Fee gibt es auch in meinem Buch “Architekturführer Schweiz. Die besten Bauwerke des 21. Jahrhunderts”, Callwey Verlag, 36 Euro, S. 169. https://www.callwey.de/buecher/architekturfuehrer-schweiz/

 

Les Menuires

Wie wird man als Skiort nicht größer ? So etwas ist im Jahr 2017 in den Hochalpen eine wichtige Frage. Les Menuires, eine der schönsten Familien-Destinationen im französischen Skigebiet 3 Vallées, hat vor einiger Zeit entschieden: 25.000 Gästebetten sind genug! Wie verhindert man also weitere Bodenversiegelung, wo die größte Ski-Region der Welt doch schneesicher ist und garantiert weiter die Menschen strömen werden?

Die kleine Skistadt, benannt nach den Kohleminen von einst, sanierte 2012 als erstes ihre Hotel- und Appartementblocks. Nun sehen die Großbauwerke direkt am Skihang wieder blitzsauber aus. Vor allem der elegant und extralang wie ein Ocean Liner an der Schneepiste hingezogene „Brélin“ von 1973 ist ein spektakulärer Hingucker. Mit Flachdächern, Sonnenterrassen, langen Fensterzeilen und freiem Grundriss steht er im Geiste Le Corbusiers und gehört ganz offiziell zum französischen Architekturerbe des 20. Jahrhunderts.

Dann kam der zweite Streich, ein Novum. Die Stadtspitze überzeugte mit Hilfe der kommunalen Immobilienagentur Samrenov Besitzer von in die Jahre gekommenen Studios, diese doch mal zu renovieren und elf Jahre lang in den Ferienmietportalen des Ortes anzubieten. Dafür floss und fließt richtig Geld – bis zu 15.000 Euro pro Einheit. Cash! Und sogar, wenn man selbst umbaut. Das Modell ist ein Erfolg. Win-win: Die Gäste genießen nun zeitgemäße Küchen, Bäder und Interieurs. Und Les Menuires kriegt seine Altlasten strahlend schön – zudem muss es keine Neubauten genehmigen.

So kann sich Les Menuires nun wieder ganz auf seine größten Besonderheiten konzentrieren: die Freeride-Reviere zwischen Mont de la Chambre und Pointe de la Masse. Die Gäste können praktisch von jeder Unterkunft aus direkt mit ihren Skiern losstarten. Über die Seilbahnen ROC 1 und ROC 2 ist zum Beispiel ein phantastisches, weil besonders riesiges Gelände zu erreichen. Hier kann der Gast, bei vollkommener Stille und oft ganz allein, immer irgendwo erste Schwünge in den Tiefschnee setzen. Oder, wenn der letzte Schneefall schon ein paar Tage zurück liegt, sich von einem kundigen Guide im flachen Terrain über „Betonschnee“ geleiten lassen. Auf dem dann höchstens ein paar Eisbrösel bröckeln. Eine ganz eigene Kunst und Erfahrung.

Das Hochtal Vallée des Belleville ist auch als Ganzes besonders. Saint-Martin auf 1400 Metern Höhe spielt die faszinierende Rolle des authentischen Savoyer Dorfes. Hierher kommt, wer das Alte liebt. Jede Abweichung vom Original-Stil ist verboten. Alte Ställe, Brotbackhäuser und Bauernhöfe verbreiten Flair, darunter ein Lokal mit 3 Michelin-Sternen, La Buitte. Les Menuires auf 1850 Metern ist die Trabantenstadt von 1972, siehe oben – Stahlbeton in den Bergen, enorm effektiv und von rauhem Charme. Und Val Thorens schließlich ist das Juwel der Party-Jugend – ein legal High auf 2.300 Metern -, und somit das höchste Alpenskidorf. Bis knapp unter die Lawinenschutzzäune ist gebaut. Jedes Hotel ein kleiner Adlerhorst. Skifahren kann man im Mai noch. Und an der Piste geht hier täglich die Party ab, zum Beispiel im Folie Douce, einer Mischung aus Restaurant, Konzertclub und Afterski-Bar. So kann das Belleville-Tal mithalten im Wettbewerb gegen die luxuriösen Superstationen Courchevel und Méribel, die nur ein paar Lifte und Tiefschneeabfahrten weiter liegen.

Skigebiet  Die Saison 2017/18 startet am 9.12. – für je 6 Tage gibt es die Skipässe Solo (300 €), Duo (290 € pro Person), Tribu (285 € pro Person für Gruppen ab 3) und Familie (240 € pro Person). Zirka 600 km Abfahrten, 166 Skilifte (Les Trois Vallées gesamt).

Unterkunft  Neue 4-Sterne-Residenz Le Coeur des Loges, Suite/Appartement ab ca. 2000 € die Woche (Offerten günstiger), http://www.mmv.fr

Anreise  Flug München – Genf ca. 1 Stunde (ab ca. 106 Euro einfach) plus 1 1/2 Stunden Hotel-Shuttle. Oder Pkw.

Text: Alexander Hosch

Nach Flaine

Die Reichen und Berühmten unter den Skifahrern verbringen ihre Winter anderswo. Stil-Jünger aber fahren nach Flaine. Schon immer. Wegen des Mont Blanc, der das Skigebiet hoch über dem Genfer See auf unschlagbare Weise persönlich bewacht. Wegen der Traumpisten und wegen der futuristischen orangen Schräglifte wie aus dem Weltall. Wegen der coolen Bauhaus-Architektur von Marcel Breuer, der für dieses Skitopia auf fast 1700 Metern Höhe eine Phalanx aus Sichtbetondiamanten in die Berge setzen ließ. Und wegen der drei sensationellen Freiskulpturen von Picasso, Vasarély und Dubuffet, die hier im Zentrum des Skitreibens stehen als wäre das normal.

    Die Wiederöffnung des Hotels Totem hat diesen Zauberort der späten Sixties vor Kurzem wachgeküsst und ins Jahr 2017 gebeamt. Denn jetzt gibt es wieder eine angemessen kunstaffine Unterkunft im Zentrum von Flaine, die der Radikalität der Ur-Idee gewachsen ist. Mit Breuers purer moderner Architektur von 1968 und seinem aus einer einzigen Linie entworfenen Clubsessel S35 in den Zimmern. Mit Kuhfell-Schränken, die Gesichter haben. Mit einer wunderbaren Breuer-Kaminskulptur, die den Genius loci der Hotel-Lobby neu entfacht. Mit einem heißen neuen Draußenpool und farbenfrohen Gläsern, Bechern, Tellern und Vintagemöbeln, die den demokratischen Lifestyle und den lässigen, bunten Hippie-Chic weitertragen. Das allererste Exemplar einer neuen Art Berghotel („Terminal Neige“) kann man in Flaine jetzt, wie ein Stadthotel, auch tageweise buchen. So möchte die Sibuet-Gruppe eine junge, spontane Klientel für die Ski-Berge begeistern. Müsste gelingen.                            Alexander Hosch

Skisaison in Flaine: bis 23. April 2017. Von München aus sind es acht Fahrstunden, die sich lohnen. Hotel Totem ab 164 Euro pro Nacht für das Doppelzimmer, www.terminal-neige.com.   Alle Foto-Copyrights:  Sabine Berthold, www.sabine-berthold-fotografie.com

Lesen Sie auch die Big Story dazu: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 8. Januar 2017, Ressort Reise. Oder online: http://www.faz.net/aktuell/reise/ski-utopia-flaine-moderne-mit-schuss-14609235.html