Willkommen zur Blauen Stunde! Die Sammlung Campendonk im Museum Penzberg feierte am Sonntag ihren 10. Geburtstag – und setzte auf diese
Weise noch einmal die aktuelle Sonderschau „Campendonk malt blau“ in Szene. Und? Man kann sagen: Blau hat gewonnen! Warum? Weil sich fast alle Gäste an den Dresscode Blau hielten. Und weil Gemälde, Zeichnungen und
Hinterglasbilder von Heinrich Campendonk (1889-1957), dazu Notizen aus seinem kornblumenblauen Tagebuch, in dieser Ausstellung Kunde von einigen überraschenden Vorlieben des immer noch vergleichsweise unbekannten jüngsten Blauen Reiters geben.

Der rheinische Expressionist hatte sich von Franz Marc persönlich im Oktober 1911 ins bayerische Oberland in den noch nagelneuen Künstlerfreundeskreis „Der Blaue Reiter“ locken lassen. Dort nahm er dann – vielleicht mehr als die anderen Maler – die Lebenswelt der Menschen in der damaligen Bergwerkstadt Penzberg zur Kenntnis und als Motiv unter den Pinsel. Er erfand auch eine eigene Farbenpoesie, die – so wie seine scheinbar schwebenden Figuren – manchmal mehr an Marc Chagall erinnert als an Marc, Münter oder Macke.

Zu sehen sind von Campendonk in Penzberg jetzt nur noch etwa 14 Tage lang viele Spätwerke aus den 1950er Jahren, die sonst im Archiv gehütet werden. Oft schaukeln Boote im Hafen. Bäume stehen im Farbenrausch. Personen beziehen sich aufeinender. Auf wieder anderen Blättern stehen religiöse Symbole, Kühe oder Rehe vor Berggipfeln – ganz wie bei Franz Marc, dem vielleicht wichtigsten der Blauen Reiter, der im nahen Sindelsdorf lebte. Campendonk wohnte dort einige Jahre quasi in dessen Nachbarschaft, dann bis 1922 in Seeshaupt. – Schön zu sehen ist
(links und unten), wie der aktuelle Nachwuchs der Region südlich des Starnberger Sees jetzt in der Kinderwerkstatt der Museumsschau etwa Campendonks hier heimische Landschaftsvorlagen interpretiert hat. Zum Glück besitzt das vor der alpinen Kulisse der Benediktenwand gelegene Penzberg eine große
permanente Campendonk-Sammlung, sodass es nach dieser schönen Fahrt „ins Blaue“ toll weitergehen kann. Etwa mit denn erst 2024 erworbenen Liebespostkarten Heinrich Campendonks an seine Frau Adda!
Text: Alexander Hosch
Fotos: Sabine Berthold/Alexander Hosch
„Campendonk malt blau“, Museum Penzberg – Sammlung Campendonk; bis 28. Juni 2026, www.museum-penzberg.de