Die frohe Botschaft für Frühjahrsskifahrer kommt aus Frankreich, genauer: Savoyen. Dort, wo die Skistationen der Architekturmoderne nicht unten im Tal, sondern so hoch wie möglich, zwischen 1600 und 2000 Metern, angelegt worden sind, braucht man auch im April nicht auf das kalte Feuer aus den Schneekanonen zu warten, um guten Gewissens seine Kurven zu ziehen. Das weiße Zeug ist einfach sowieso da. Manche dieser Reißbrett-Skidörfer liegen sogar auf mehr als 2300 Metern – so wie Val Thorens im größten Skigebiet der Welt, den Trois Vallées in der Tarentaise.
Dort kann man sogar im Mai noch Skifahren. Les Arcs, etwas weiter nördlich, liegt nicht ganz so hoch – aber dafür führt dieses Skigebiet an der Aiguille Rouge im Vanoise-Massiv auf in Europa kaum schlagbare 3.226 Meter Höhe. Und meist stellt sich, gleich gegenüber des Gondelausstiegs, der Mont Blanc in den Blick. Alles ist im Frühjahr übersichtlich und klar: die Zahl der Menschen, die Aussicht, die in Savoyen stets bestens präparierten Pisten. Durcheinanderkommen kann man trotzdem – wie an der Skischaukel zwischen Les Arcs und La Plagne der Wegweiser-Schnappschuss von Anfang April (oben) beweist. Da wünscht sich der wegsuchende Pistenfuchs doch gleich in einen der vielen vollendet verständlichen französischen Autokreisverkehre zurück. ah


Als die amerikanische Vogue das Häuflein 1974 entdeckte, wurden die Designerinnen um Ursula Rodel und Sissi Zoebeli populär. Der Laden entwickelte sich zum Treffpunkt der Kosmopoliten und Andersartigen. Ganz in der Nähe begann die arty Anarchie von Peter Fischli und David Weiss zu toben. Auch Warhol war befreundet, kaufte aber nix. Die Deneuve schon. Im nächsten Umkreis schufen weitere Künstler wie Urs Lüthi oder die Kuratorin Bice Curiger, die später die Zeitschrift Parkett gründete. Irgendwann in den 1990ern kam Thema Selection mit bunten Handdrucken, gemischt aus Folklore und Pucci, doch noch in den Alpen an: Diese wurden im Gebirgskanton Glarus geprintet.
Ein künstlerischer neuer Bildband erzählt jetzt diese Schweizer Story zwischen den Gipfeln von Mode und Gesellschaft. Dick ist er und zeitschriftig – mit vielen Polaroids, Schnitten, Skizzen, Manifesten und Meinungen von wirklich allen alten Freunden. Aber sehr schön. Man freut sich über jeden einzelnen Zürcher Wilden, der dort in den letzten 45 Jahren, nicht allzufern von Eiger, Mönch und Jungfrau, sein Nonkonformistenwesen trieb. Und den Laden gibt es immer noch. (

Und schon wieder dran vorbeigefahren! Entlang der Alpen-Magistralen gibt es Sehenswürdigkeiten, die jeder zu kennen glaubt, obwohl kaum einer je dort angehalten hat. Wir nehmen uns die Zeit und besuchen sie. 





In Ribčev Laz erinnert eine Bronzegruppe an die Erstbesteigung des höchsten Bergs Sloweniens. Am 26. August 1778 erreichten die vier Wocheiner Lovrenc Willomitzer, Luka Korošec, Stefan Rožič und Matija Kos den Gipfel. Finanziert wurde die Expedition von Sigmund Freiherr Zois von Edelstein, der mit Eisenwerken ein Vermögen verdient hatte. Der großzügige Aristokrat und Förderer geologischer Forschung unterhielt nicht nur einen „Musenhof“ in Ljubljana, sondern trug auch eine spektakuläre Mineralienkollektion zusammen. Inzwischen ist sie im Naturhistorischen Museum der Hauptstadt zuhause. Glanzlicht der umfangreichen Sammlung: der nach ihm benannte Zoisit. Seit der Entdeckung der Varietät Tansanit 1967 besitzt das seltene Mineral sogar Edelsteinqualität. Nun klingt der Name des Freiherrn doppelt schön und würdevoll. Am Talschluss, wo sich der Savica-Wasserfall im karstigen Fels der Komarča versteckt, stößt man wieder auf dessen Mäzenatengeist. 1807 besuchte der alpenvernarrte Erzherzog Johann von Österreich den Katarakt. Anlass genug für Sigmund Zois, eine Marmortafel zu Ehren des hohen Gasts im Aussichtspavillon zu stiften. Zahlreiche Besucher verstehen den Stein offenbar als Einladung zum Einritzen von Namen- und Liebesgraffiti. Kein Wunder, dass so viele bei diesem Seufzer-Panorama über Wocheiner See und Berg Vogel schwach werden. Alexandra González

