Der Betonadler von Lyon

#16   Und schon wieder dran vorbei gefahren! Entlang der Alpen-Magistralen gibt es alte und ganz neue Architekturen, die jeder schon zu kennen glaubt. Dabei hat kaum einer je die Zeit gehabt, dort mal stehen zu bleiben. Wir besuchen sie. 

 

Objekt  TGV-Bahnhof am Flughafen Lyon Saint-Exupéry /  Ort  2, Rue de Grèce, F-69124 Colombier-Saugnieu /  Koordinaten  N 45° 43‘ 16“ O 5° 4‘ 34“ / Bauzeit  1989-1994 /  Bau-Grund Anschluss für Hochgeschwindigkeitszüge aus Paris oder Marseille / Aktuelle Nutzung  Fernverkehrsbahnhof zum Airport; in die City von Lyon sind es mit der Rhôneexpress-Tram nur 30 Minuten. Mit dem Shuttlebus östlich in die nächsten Alpen dauert es auch nicht viel länger.  / Öffnungszeiten  Rund um die Uhr; www.lyonaeroports.com / Schönster Augenblick  Wenn man bei der Ankunft oder Abfahrt den Kreisverkehr passiert, scheint die Vogelskulptur von Architekt Santiago Calatrava jedes Mal gerade abzuheben. Und klar spitzt aus Richtung Chambéry oder Grenoble manchmal ein Viertausender rüber!

Warum man immer dran vorbeifährt:  Weil so gut wie immer das eigene Flugzeug schon wartet, und man mal wieder zu spät beim Check In für die Weiterreise sein wird, also nichts wie weitergefahren bis zum Eingang des Flughafens! Oder weil man auf Schienen in Lyon Saint-Exupéry angekommen ist und zwar kurz die krasse Architektur des TGV-Bahnhofs bewundert hat, dann aber aus Zeitgründen doch wieder lieber die interne unterirdische Verbindung  zum Terminal des Airports genommen hat.

Weshalb man nächstes Mal unbedingt hin muss!   Der ehemalige Gare de Satolas, 24 km südöstlich von Lyon gelegen, ist mit Sicherheit einer der spektakulärsten Bauten des Spaniers Santiago Calatrava. Die Metall- und Betonrippen seines Tragwerks imitieren die Anatomie und die Flugbewegung von Vögeln. Wenn die Zwischenräume erleuchtet sind, vervielfacht sich der tierische Eindruck noch. Der 91,5 Millionen Euro teure Bahnhof verfügt über sechs Gleisanlagen, deren zwei mittlere Betonröhren den durchfahrenden Zügen vorbehalten bleiben, die über 300 Kilometer pro Stunde schnell sein können. Durch einen kompakten Tunnel um sie herum wird die Druckwelle der rasenden Züge abgemildert. Mit dem Flughafen ist der TGV-Bahnhof durch eine 180 Meter lange Stahlbrücke verbunden. Noch dramatischer erscheint des Bahnhofs Haupthalle, deren 1300 Tonnen schweres Dach 40 Meter hoch ist und eine Spannweite von 53 Metern hat.

Wie man hinkommt:  Die sowohl am Flughafen als auch am Bahnhof vorbeiführende A 432 verbindet die aus Turin kommende Autobahn A 43 mit der A 42 von Genf. Von dieser Verbindung aus sieht man Calatravas Betonvogel am besten. Kreisverkehre führen zu den Terminals. Passiert man sie, dann überlappen sich Glasflächen, Metallrippen und Betonwinkel des Bionischen Bauwerks zum Bewegtbild eines landenden Riesenarchaeopteryx.

copyright für Text, Fotos & Idee:  Alexander Hosch & Sabine Berthold