Primavera in Sanremo!

Wir von der Alpinen Kultur lieben ja vor allem die Berge. Aber mindestens einmal im Jahr lockt uns das nahe Meer. Und so sind wir diesmal nach unseren letzten Skitagen der Saison in Limone Piemonte, wo es eh schon ganz traumhaft nach Orangenbäumen duftet, noch etwas weiter gen Süden gefahren – nach Sanremo. Denn kaum 50 km von unserer Skipiste an der 2755 hohen Rocca dell´Abbisso fängt schon die Blumenriviera an. Auch in Italien laufen nämlich die Südalpen direkt am Mittelmeer aus. Oder besser gesagt: die Ligurischen Alpen! Was das allein schon für ein magischer Name ist.

 

Hier trafen wir den Frühling. In Sanremo duftete alles gleich noch viel mehr nach Blüten, Zitrusfrüchten und frischen Kräutern. Am nächsten Morgen stieg auch noch das große Blumenfest, eine Art Privatfasching mit viel Tanz und einer Wagenparade (Fotos oben und ganz unten). Der größte Unterschied der italienischen Riviera zur benachbarten Côte d´Azur ist ja der Blumenwahnsinn – tausende Gewächshäuser scheinen überall die Hügel hochzuklettern, alle Plätze und Lokale sind festlich mit Nelken, Ranunkeln, Strelitzien und Anemonen geschmückt. So wurde die kleine Kurstadt vor 150 Jahren zum Paradies für Urlauber. Erst kamen aus ganz Europa die Adligen, die Zarin Maria Alexandrowna ließ an der Promenade, die immer noch Corso Imperatrice heißt, sogar die ersten Palmen pflanzen. An diese Zeit erinnern im Zentrum die Zwiebelkuppeln der russisch-orthodoxen Kirche, die noch immer viel eigene Community hat. Drinnen drängeln sich dann die Ikonen. Neben einem prachtvoll mit Murano-Leuchtern und Ornamenten im Liberty Style glänzenden Kasino (Foto) ist die kleine, bunte Schwester der Basilius-Kathedrale (Fotos ganz unten) die exzentrische Topsehenswürdigkeit von Sanremo.

Im Frühstücksbereich des neuen Hotel Europa Palace sagte dann als erstes Vico Magistrettis wunderbare Atollo-Tischleuchte aus den Seventies freundlich „Buon mattino“ zu uns. Da bekamen wir Designaficonados sofort feuchte Augen – und noch viel bessere Laune. Unser nach sechs Jahren Umbau kürzlich wieder eröffnetes Hotel von 1874 verbindet ganz offensichtlich das Beste aus zwei Welten. Der Komfort des fin de siècle trifft auf einen Einrichtungs-Look ganz von heute – oder sogar von morgen! Stil? Boutique-Grand-Hotel passt am besten. Gott sei dank liegt es gleich gegenüber des Kasinos und nah an der russischen Kirche, sodass wir in diese beiden krass faszinierenden Sonderwelten öfter kleine Ausflüge unternehmen konnten.

Zwar machen die typischen Bagni oder stabilimenti balneari (Strandbäder) von Sanremo um diese Zeit gerade erst auf. Aber die hartgesottensten Gäste saßen mit ihrem caffè schon draußen. Und wir schwammen natürlich, zum ersten Mal in diesem Jahr, in freier Natur. Wenn auch nur kurz und arg fröstelnd. Wie kommt es, dass es hier so viel günstiger ist als in Montecarlo oder in französischen Seebädern wie dem nahen Menton? Sanremo jedenfalls, das sagen alle, hat auch noch ebenso viel Charme und Geschichte wie Nizza oder Cannes. Die Franzosen, so sahen wir, shoppen am liebsten Kleidung und Lebensmittel. Nicht wenige verbringen hier auch ihre Ferien.

Das Europa Palace ist als einziges Hotel seiner Klasse in Sanremo ganzjährig geöffnet, hat 70 Zimmer, fünf Sterne und mehrere Restaurants, in denen es uns vor allem die lokale Spezialität Gamberi in allen Variationen, der typische Schokoflan „Bunet“ und ein Sorbet namens „Montebianco“ angetan haben. Man kriegt Zimmer mit Balkon zur See (siehe Aufmacherfoto) überraschend günstig; die große Penthouse-Suite mit Panoramaterrasse kostet allerdings ein Vielfaches. Die Interieurs sind mit Holz und dunklem Stahl minimalistisch eingerichtet, überall brilliert das Designkonzept aus filigranen Midcentury-Möbeln sowie Sesseln und Stühlen in verschiedenen Grüntönen und in Altrosa. Irgendwann während ihres Aufenthalts müssen Urlaubende unbedingt mal ins schicke und pittoreske neue Lokal Babeuf spazieren. Dessen italienische Tapas, am besten mit Anchovis, haben wir in den Altstadtgassen entdeckt. Dazu wird Roséwein aus Dolceacqua gereicht.

Da nehmen wir uns doch gleich vor, auch nächstes Frühjahr wieder unsere Skistation in den ligurischen Alpen ein paar Tage früher zu verlassen – um Ostern gemütlich-elegant am Meer von Sanremo ausklingen zu lassen. Die Heimfahrt wird uns wieder ein Stück durch die französischen Seealpen, und dann über Cuneo, Turin, Mailand und den Gardasee führen. Was für ein Trip! Wirklich nirgendwo lassen sich die letzten Skiferien besser mit dem allerersten Badeurlaub des Jahres verbinden.

Text und Fotos: Alexander Hosch

Hotel Europa Palace: Doppelzimmer aktuell ab 250 Euro, je nach Saison auch günstiger. Ganzjährig geöffnet; Wellness & Gym, Haustiere bis 25 kg erlaubt www.europapalacesanremo.com

 

 

Der Eintritt in die Russisch-Orthodoxe Kirche Cristo Salvatore von 1913 kostet pro Person 1 Euro.

 

 

 

 

 

Das Babeuf in der Altstadt von Sanremo, via Palma 20/22, ist auf mediterrane Küche spezialisiert und auf natürliche lokale Weine wie den weißen Vermentino bzw. Rosé oder Rosso aus Dolceacqua. www.babeufsanremo.com