Wo können Skifahrende ein Vier-Länder-Panorama
mit freiem Blick auf 400 Alpengipfel genießen? Am goldenen Gipfelkreuz der Zugspitze. In Deutschland ist diese Aussicht ziemlich einzigartig. Top of Germany heißt das kleine Skigebiet hoch über Garmisch-Partenkirchen. Jeden Spätherbst vermummt sich das hochalpine Terrain hier für mindestens ein halbes Jahr ganz in Weiß. Gleich von drei Seiten können die Pistenfans es mit Seil- oder Zahnradbahnen erreichen. Und übrigens kommt das kleine Skigebiet da oben völlig ohne Kunstschnee aus.
Damit möchte ich euch zu Beginn der Skisaison das neue Schneelust-Buch von Polyglott ans Herz legen. Andreas Lesti von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist der Herausgeber. Und sieben Autor*innen, die zusammengerechnet wirklich schon sehr, sehr viele Alpenpisten hinuntergefahren sind, empfehlen 30 Ski-Orte in Europa, in denen die Nachhaltigkeit und ein achtsamer Umgang mit der Natur auf einem besonders guten Weg sind.
Ich durfte einer davon sein und für Schneelust unter anderem Garmisch-Partenkirchen porträtieren. Dort gibt es gleich mehrere Skiarenen. Ich war besonders vom unabhängigen kleinen Zugspitzskigebiet hoch oben angetan. Schon weil es zwischen Schneefernerkopf (2.874 m), Wetterwandeck (2.698 m) und Zugspitzplatt (2.600 m) keine einzige Schneeflocke aus künstlicher Produktion gibt, was eine Seltenheit ist in den Alpen. Lanzen und Schneekanonen wurden hier gar nicht erst aufgestellt. Man kann also nur fahren, wenn es genug geschneit hat. Das ist hier trotzdem ziemlich oft der Fall, in der Regel bis in den Mai.
Neun Aufstiegshilfen gibt es im Zugspitzskigebiet, und seit zwei Wochen kann man nun alle 20 Pistenkilometer befahren. Anfang Dezember wurden u. a. die Skilifte Sonnenkar, Wetterwandeck und Weißes Tal geöffnet, die hier nun alles erschließen. Außerdem erweist sich ein malerischer Winter-Rundwanderweg als zugänglich, die Familienrodelbahn am Gletscher ist auch in Betrieb. Da bereits am ersten Skiwochenende die Skikarten ausverkauft waren, empfiehlt es sich – wenn möglich – lieber wochentags zu kommen und außerdem für Tage, an denen viel Zulauf absehbar ist, die Tickets online zu buchen (www.zugspitze.de).
Letzten Samstag ist zusätzlich die Abfahrt Riffelriß erstmals geöffnet worden. Dabei handelt es sich um einen nicht regelmäßig zugänglichen Superskispaß am Fuß der Zugspitze – erreichbar mit Tourenski oder per Zahnradbahn über die sogenannte Bedarfshaltestelle Riffelriß. Im oberen Bereich führt diese Abfahrt in den freien Skiraum. Die wilde Felskulisse dort mit den steil aufschießenden Riffelwänden kann man als sensationell bezeichnen. Vom Endpunkt eines natürlichen „Tunnelfensters“ aus lockt der Blick hinab auf den Eibsee. Eine Tour für Feinschmecker*innen!
Und los geht’s mit dem Skispaß! Heute früh ist nun auch der Saisonauftakt im größeren Skigebiet Garmisch-Classic weiter unten erfolgt. Ideal am Skiziel Garmisch-Partenkirchen: Man braucht zum Beispiel von München aus bis direkt an die Zugspitzskilifte garantiert kein Auto!
Demnächst schreibe ich euch ein paar weitere Spezialtipps auf, wie man künftig noch mit gutem Gewissen in die Berge fahren kann. Etwa ins Gasteiner Tal oder nach Isola 2000. Das sind meine beiden anderen Texte in Schneelust, dem neuen Standardwerk über geeignete Plätze für nachhaltiges Skivergnügen in den Alpen.
Text & Fotos: Alexander Hosch
Schneelust. Die schönsten Ziele für nachhaltigen Wintersport in Europa, herausgegeben von Andreas Lesti, 2023, mit Beiträgen von Titus Arno, Thomas Biersack, Stephanie Geiger, Alexander Hosch, Andreas Lesti, Barbara Schaefer, Christoph Schrahe.
ISBN 978-3-8464-1000-4
Verlag Polyglott / Gräfe und Unzer, 29 Euro

Skisport liebenden Reisejournalisten auf ihre Qualitäten geprüft. Alexander Hosch, einer der Mitbetreiber unseres alpinen Spezialblogs, war dabei und hat drei Texte über die hochgelegenen Pistenareale
Mit dem Auge eines Kabarettisten macht sich Lois Hechenblaikner immer wieder nach Ischgl auf: Um in den Schifahrermonaten den Ort und seine Spaßfolterexzesse zu dokumentieren. Seit 26 Jahren. Da tun sich ein paar Fragen auf: Ist der Fotograf, was Musik und Ästhetik angeht, vielleicht selbst Masochist? Oder locken dort im Verborgenen die Fifty Shades of White? Die Antwort ist einfacher und komplizierter zugleich: „So etwas muss eine Einschreibung auf der Seelenlandschaft sein, sonst tust du dir das nicht an“, sagte der Tiroler gerade zur SZ und begründete seinen Zwang biografisch: Er sei – im Alpbachtal – selbst als Sohn einer Gastwirtsfamilie aufgewachsen.
Skistadelwelten auf ein einziges Stichwort reduziert, das inzwischen schon wie eine Diagnose klingt: Ischgl. Behördenversagen und Leichtfertigkeit sorgten für die Sofort-Ansteckung von Skifahrern aus aller Welt mit Covid-19 und für katastrophale Presse überall. Ein Vertrauensschock, von dem sich der Ort so schnell nicht erholen wird.
Bleibt eine Frage: Geht´s nächsten Winter in Ischgl wieder genau so weiter? Keiner weiß es. Fest steht nur, dass garantiert der Fotograf wieder kommen wird. Ein sehr gutes, ein wahrhaftiges Buch.