Solo: A Star Wars Story

  Als Drehort sind die Alpen einsame Spitze. Doch nicht jedes Werk, das hier entstand, wird auch als Bergfilm wahrgenommen. Wir stellen Fundstücke abseits des klassischen Genres vor, vom Klischee des Helden im Fels befreit:                               

Heimlicher Alpenfilm #14

Als die Sonne über den Drei Zinnen aufgegangen war, schoss ein Raumgleiter an der berühmten Dolomitenformation vorbei. Echt jetzt? Echt jetzt im Kino! Die Star-Wars-Filmarchitekten aus Amerika wären ja blöd, wenn sie sich jede dramatische Bergspitze selbst aus den Fingern saugen würden, wo es doch in der Natur jede Menge von der Unesco geprüfte Weltklasse-Requisiten gibt: In den Südtiroler Alpen etwa.

Weltraum-Schmuggler Han Solo unternimmt in The Red Cup von 2018 (deutscher Titel: „Solo: A Star Wars Story“) sogar einen Landeanflug auf die dramatische Trias. Auch Wookie Chewbacca ist mit dabei. Das Spin-Off zur 1977 gestarteten „Krieg der Sterne“-Saga hatte im Mai dieses Jahres in Cannes Weltpremiere gehabt, gleich danach kam es bei uns in die Kinos. Die 200-köpfige Crew von Walt Disney und der Lucasfilm Produktion drehte zuvor von Januar 2017 an ganz real unter anderem rund um den Monte Piana sowie am Misurina-See in der Nähe von Belluno. Wo den Regisseur, Oscarpreisträger Ron Howard, übrigens besonders die vorhandenen Militäranlagen aus dem Ersten Weltkrieg vom Hocker hauten. In The Red Cup hat der 28-jährige Schauspieler Alden Ehrenreich erstmals Harrison Ford (damals 75) als Han-Solo-Darsteller abgelöst. Er wohnte während seiner Aufenthalte im Juni, Juli und Oktober 2017 im Grand Hotel Misurina, wie auch der Regisseur und die anderen Stars. Die Drei Zinnen – der legendäre Gebirgsstock zwischen Belluno und dem Hochpustertal – spielten am Ende sogar eine Schlüsselrolle für das Anheizen des Filmstarts. Schon nach zwanzig Sekunden tauchen sie im Trailer auf. So wurde das Wahrzeichen der Dolomiten, das zugleich Sinnbild des Wander- und Klettertourismus im Trentino ist, zum Mittelpunkt des wohl berühmtesten intergalaktischen Heldenepos aller Zeiten. Möge die Macht der Bilder weiter mit ihm sein!                                                           Alexander Hosch

 https://www.vivosuedtirol.com/reisemagazin/star-wars-drei-zinnen/

 

 

Die Rosskopfgondeln über der Brennerautobahn

#12      Und schon wieder dran vorbei gefahren! Entlang der Alpen-Magistralen gibt es Sehenswürdigkeiten, die jeder zu kennen glaubt, obwohl kaum einer je dort angehalten hat. Wir nehmen uns die Zeit und besuchen sie.

Objekt  Kabinenseilbahn auf den Rosskopf (Monte Cavallo) / Adresse  Alte Brennerpassstraße 12, I-39049 Sterzing (Vipiteno), Südtirol / Koordinaten  N 46° 54′ 54″, O 11° 22′ 59″ /  Bauzeit  1968-2019 /  Bau-Grund  Wer will schon bis  nach Madonna di Campiglio oder Cortina hinter zum Skifahren? / Aktuelle Nutzung Besuchertransport zur Bergstation, zur längsten Rodelbahn Italiens und ins Skigebiet Monte Cavallo (Tageskarte ca. 37-47 Euro); www.rosskopf.com / Betriebszeiten: Anfang Dezember bis Mitte April; Ende Mai bis Anfang Oktober / Schönster Augenblick  Sobald die Skisaison anfängt und die Gondeln die Autobahn queren, herrscht bei Skifahrern am Steuer sofort Serotonin-Alarm.

Warum man immer dran vorbeifährt:

Auf dem Heimweg vom Mittelmeerurlaub fürchten Autofahrer nichts mehr als den berüchtigten Brenner-Stau. Kaum einer hat dann das Herz oder die Muße, noch eine letzte Pause einzulegen – obwohl die Rosskopf-Gondeln, die hier malerisch die Fahrbahn kreuzen, im Winter wie im Sommer größtes Vergnügen versprechen…

Weshalb man nächstes Mal unbedingt hin muss:

Weil man so schnell dort ist! Die definitive Besonderheit im bequemen Kleinstskigebiet Sterzing ist die Landschaft: Man blickt von den Pisten des Monte Cavallo hinab jederzeit Richtung Dolomiten und übers Südliche Wipptal. Auf der nagelneuen 5-Kilometer-Talabfahrt wedeln die Skigäste unter den Sause-Brummis und Bussen durch – um dann, wenn sie wollen, gleich direkt in der Sterzinger Altstadt zum Shoppen abzuschwingen. Das nächste grandiose Alleinstellungsmerkmal der Sterzinger Rosskopfbahn ist, dass sie wahrscheinlich die einzige Alpengondelbahn darstellt, die im Drei-Meter-Abstand eine Autobahn überquert. Die weltweit tätige Seilbahnfirma Leitner hat sie einst gebaut, ein lokaler hidden champion aus dem 1000 Meter hoch gelegenen Städtchen. Das Sterzinger Unternehmen könnte an dieser Stelle auch gut kostenlos eine immerwährende Liftmaschinen-Markenwerbeschau veranstalten – für die vielen Millionen Europäer, die hier jährlich vorbeifahren. Tut es aber nicht. Stattdessen tauschte die Firma jetzt rechtzeitig zur Skisaison 2018/19 die Liftanlagen für die zweite Sektion in Richtung des 2.176 Meter hohen Monte Cavallo aus. Dort fährt nun eine sogenannte Telemixbahn: Kleine Gondeln sind abwechselnd mit 6er-Sesseln eingehängt; die Eltern und die Kinderskischule haben sich das so gewünscht. Die neue Bahn hat einen umweltfreundlichen DirectDrive-Elektromotor – das half bei der Entscheidung.

Wie man hinkommt:  

Bei der Ausfahrt Sterzing die A 22 verlassen und zum Ortseingang, wo wenige Meter unterhalb der Autobahn an der Alten Brennerstraße die Talstation liegt. Parken, Ski anschnallen, los geht’s.

Text und Fotos:  Alexander Hosch

Grafiken:  entdeckt im 3-Sterne-Hotel Rosskopf, www.hotel-rosskopf.it