Linzer Mucke

Anton Bruckner wurde hier geboren. Franz Schubert hat mit Blick auf diese Stadt oft Ferien verbracht. Mozart schrieb 1783 in vier Tagen die „Linzer Symphonie“. Und Beethoven vollendete dort 1812 seine Achte – Linz ist eine Musikstadt, schon immer gewesen. Seit 1979 gibt es jedes Jahr rund ums Brucknerhaus, die Donau und das Ars Electronica Center die berühmte “Klangwolke”. In den 1980er Jahren kam die Institution Posthof dazu: ein junger Ort für anspruchsvollen Rock und für Punk-Musik, an dem früh heutige Legenden wie The Fall aus London oder Suzanne Vega aus New York gastierten.

Vor ein paar Jahren hat Linz nochmal nachgeladen. 2013 entstand mit dem Musiktheater am Volksgarten, das der Londoner Architekt Terry Pawson erbaute, jene neue Bühne für Szenisches, die bislang fehlte. Ein Fries aus weißen Klaviertasten scheint das geräumige Haus zu krönen. Die vier verschiedenen Fassadenseiten spielen mit verklammerten Mustern aus Streifen oder Fugen. Technisch ist das Musiktheater eines der modernsten Opernhäuser Europas.

Kurz darauf – 2015 – wurde in den Hügeln, auf halbem Weg zum Pöstlingberg, für 850 Studierende der Anton Bruckner Privatuniversität noch ein ähnlich komfortables neues Gebäude errichtet. Musik, Komposition, Tanz und Schauspiel lassen sich hier studieren. Man kommt von der Stadt aus in zehn Minuten mit der Bergbahn hin, die hier das Trambahnnetz teilt. Der Besucher fühlt sich zwischen den Plastiken des grünen Freigeländes ein bisschen wie in Stanford. Die Gartenbänke auf den kleinen Kiesflächen sehen wie Miniaturgebäude aus. Und die diversen Säle klingen täglich – sei es zur Übung oder zum öffentlichen Genuss. Die Architektur der jungen Lokalmatadoren MOD ist meisterhaft – das Nadelstreifenmuster, das in Form schräger oder vertikaler weißer Lamellen mit wechselnden Abständen die Fassade umhüllt, nimmt dem Bau die Masse, gibt ihm dafür durch Kipp- und Schwingmetaphern eine sublime Eleganz. Man sieht von da oben die Donau, die Stadt und gar nicht so selten den fast 3000 Meter hohen Dachstein – Oberösterreichs mächtigsten Alpenberg.

Als wäre das kleine Linz eine Weltstadt, sind an manchen Wochenenden zusätzlich zum permanenten Klassiksturm auch noch Superstars des Pop zu Gast: Am 8. Juni waren etwa die Toten Hosen da, tags darauf Bryan Ferry. So was ist hier normal.

Text und Fotos: Alexander Hosch

 

 

http://www.musiktheater.at/

https://www.bruckneruni.at/de/home/

https://www.posthof.at/programm/alles/

Bauhaus meets Hüttenzauber

Lois Welzenbacher (1899-1955) war ein Tiroler Architekt. Sein Sudhaus für Adambräu sah auf Fotos schon zur Bauzeit 1926/27 berückend modern aus. Ein Prototyp für die sich gerade erst entwickelnde Architektur des Bauhauses? Man hätte diesen Industriebau damals leicht in Dessau oder Jena vermuten können.

Neunzig Jahre später, an einem sonnigen Innsbrucker Wintertag um die Mittagszeit. Die Brauerei gibt es nicht mehr. Aber das Adambräu gleich beim Hauptbahnhof sieht noch immer großartig aus. Es beherbergt jetzt das Archiv für Baukunst der Universität. Und zur Zeit dessen Ausstellung „Hoch hinaus!“. Darin geht es um die Wege in den Alpenraum seit 200 Jahren, und um kleine und große, alte und nagelneue Schutzhütten des Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Alpenvereins. Die Schau bringt in den oberen drei Geschossen Fotos von Hütten und Menschen sowie Accessoires aus der Anfangs- und Jetztzeit der Alpenerschließung zusammen. Sie führt modellhaft die Energiebilanz so einer Schutzhütte vor Augen. Man kann per Knopfdruck genau den realen Strom- oder Wasserhaushalt beleuchten. Einmal Klospülen kostet 5 Euro. Alte S/W-Fotos verbreiten Nostalgie. Simulierte neue Bilder bereiten auf die Zukunft vor: Metallisch glitzernde Techno-Zacken – wie ab Sommer 2017 etwa die Seethalerhütte am Hohen Dachstein. Die ergeben aber genau dann Sinn, wenn sie schlau gebaut sind und den Extrembedingungen auf 3000 bis 4000 Metern besser Paroli bieten als die Holzbauten von früher.

Soziologie, Ökologie, Kultur, Architektur, Logistik, Gemütlichkeit – die Berghütten-Romantik ankert in vielen Gebieten. Alle kommen in der Schau vor, aber nicht auf akademische oder enzyklopädische Weise. Sondern kurz und kenntnisreich, sehr charmant. Grüne Holzpantoffeln mit Edelweiss drauf, ein Fenstertableau voller Stühle, Schaubilder mit Leuchtknöpfen. Und ganz oben darf man im allseitig durchfensterten Panoramastüberl die reale Kulisse der Stadt Innsbruck vor Nordkette und Wendelsteingebirge genießen. Oder ein paar Augenblicke unter einer Original-Hüttendecke zwischen rotweißen Polstern schlummern. Apart.   Alexander Hosch

Hoch hinaus“ im Adambräu, Archiv für Baukunst, Innsbruck, bis 3. Februar 2017, www.alpenverein.at/museum. Eintritt frei. Anschließend ist die Schau ab 9. März im Alpinen Museum München zu Gast, sowie später noch als dritte Station in Bozen.

Mehrere Alpenschutzhütten aus jüngster Zeit – etwa die Neue Monte-Rosa-Hütte – sind in meinem „Architekturführer Schweiz – die besten Bauten des 21. Jahrhunderts“ vorgestellt. Siehe https://www.callwey.de/buecher/architekturfuehrer-schweiz/