
Als Drehort sind die Alpen einsame Spitze. Doch nicht jedes Werk, das hier entstand, wird auch als Bergfilm wahrgenommen. Wir stellen Fundstücke abseits des klassischen Genres vor, vom Klischee des Helden im Fels befreit:
Die heimlichen Alpenfilme: #17
Da Clint Eastwood mit seiner sage und schreibe vierzigsten Regiearbeit, dem gemütlich erzählten Charakterstück Cry Macho, gerade die Kinobesucher bezirzt hat, ist dies der richtige Moment, an einen Rohdiamanten aus dem Jahr 1975 zu erinnern. Für sein Werk Im Auftrag des Drachen konzentriert sich Eastwood auf Action in ihrer reinsten Form: kein Double, keine Special Effects, keine Pappmaché-Felsen. Zugegeben, das Bergfilmklischee wird hier schon etwas bedient. Aber gekonnt. Und wenn es darum geht, Hollywoods einst attraktivsten Haudegen wiederzusehen (Eastwood ist auch der „schlagfertige“ Antiheld unseres Heimlichen Alpenfilms #13), drücken wir ein Auge zu.
Doch was trieb dieses cinemagische Urgestein, das heute im Alter von 91 Jahren als Darsteller eine erschütternde Zerbrechlichkeit zulässt, seinerzeit ins Schweizer Hochgebirge?
Eastwood gibt den Frauen- und Kunstsammler Dr. Hemlock, der ein letztes Mal für eine Geheimorganisation einen mörderischen Auftrag ausführt. Sein Boss, ein lichtscheuer, mit Bluttransfusionen überlebender Albino, schickt ihn dafür in die Eiger-Nordwand.
Der Filmstar war in körperlicher Bestform, als er – dressed to kill im azurblauen Anorak – gegen den Schicksalsberg antrat. Als würde die steile Abbruchkante einen Schauspieler nicht genug fordern, musste es für den Amerikaner auch noch der Regiestuhl sein.

Weder Schneestürme noch der Tod eines Klettertrainers haben die Dreharbeiten gestoppt, damit Dr. Hemlock am Eiger eine letzte Rechnung begleichen kann. Dank Eastwoods Sportsgeist und kongenial im Hubschrauber agierender Kameraleute entstanden so höchst authentische Kletterszenen. Schon fürs Zusehen sollte man besser schwindelfrei sein.
https://www.alpine-kultur.com/agenten-sterben-einsam/
Alexandra González
Im Auftrag des Drachen (USA 1975) – immer wieder zu sehen in der 3sat-Mediathek.
Eastwood agiert in Brian G. Huttons Kriegsfilm-Klassiker von 1968 – Originaltitel „Where Eagles Dare“ – nach dem üblichen Erfolgsrezept: Schlechte-Laune-Gesicht plus umstandslose Gewaltanwendung. Als Kulisse für das Nazi-Wespennest diente Burg Hohenwerfen, seit dem 11. Jahrhundert ein strategisches Bollwerk auf einem markanten Felskegel im Salzachtal. In dem vertrackten Kaninchenbau bewegt sich Burton, auch zuständig für die ruhigen Shakespeare-Momente in dem Actionfilm, mit der Präzision einer Schweizer Uhr.
Immer wieder lassen Doppelagenten und okkulte Ziele die Handlung in anderem Licht erscheinen. Trotz dieser Volten ist der Spionagethriller reinster Situationismus: Eine verhängnisvolle Lage reiht sich an die nächste wie Perlen auf einer Zündschnur. Fahrzeuge, Brücken, Bäume und Personen fliegen konfettigleich in die Luft. Dieses pyrotechnische Ballett kommt in der tief verschneiten Landschaft der Salzburger Schieferalpen, wo die Filmcrew ab Januar 1968 drehte, besonders gut zur Geltung.